Katastrophenalarm im Landkreis Hildesheim
Um 5.00 Uhr wurde die Kreisfeuerwehrbereitschaft West zur Unterstützung der Kameraden an der Innersten alarmiert.
Bisherigen Informationen zufolge ging es nach Kl. Düngen
Einsatzdauer 9,5 Std.
weiter infos aus der Region:
www.nonstopnews.de/index.php?page=meldung&newsnr=5811
Bericht vom Einsatz :
Geschrieben von J.Boeker
Durch
lang anhaltende, ergiebige Regenfälle in Südniedersachsen
kam es in den Landkreisen und Städten des Harzvorlandes zu einem
Einsatzaufkommen, das von den örtlichen Einsatzkräften der
Feuerwehren und Hilfsorganisationen alleine nicht zu bewältigen
war.
Am
frühen Morgen des 01. Oktober erreichte die Leitstelle
Braunschweig eine Anforderung der Stadt Hildesheim für die
Kreisfeuerwehrbereitschaft des Landkreises Peine.
Die
Kreisfeuerwehrbereitschaft wurde unter anderem auch für
derartige überörtliche Einsätze aufgestellt.
Der
Fachzug Technische Hilfeleistung aus der Gemeinde Hohenhameln wurde
zur Feuerwehrtechnischen Zentrale nach Peine gerufen, um von dort mit
den anderen Fachzügen zusammen in den Landkreis Hildesheim zu
fahren.
Kurz
nach 5 Uhr rückte die Einheit mit den Einsatzkräften und 26
Fahrzeugen, darunter der Fachzug Technische Hilfeleistung aus der
Gemeinde Hohenhameln, in Richtung Hildesheim ab.
Eingesetzt
wurden die Kräfte aus dem Landkreis Peine zum Befüllen von
Sandsäcken.
Da
sich die Lage in Hildesheim entspannt hat, wurde die
Kreisfeuerwehrbereitschaft gegen 14 Uhr in Hildesheim entlassen. Die
Feuerwehr bedankt sich an dieser Stelle ausdrücklich bei den
Arbeitgebern der eingesetzten Einsatzkräfte, die durch die
Freistellung ihrer Mitarbeiter diesen Einsatz unterstützt
haben.
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Unwetter in Niedersachsen
Jetzt ist der Katastrophenfall da
Land unter: Heftiger Dauerregen hat am Wochenende in Niedersachsen
schwere Überschwemmungen verursacht. Im Kreis Hildesheim wurde nach
mehreren Dammbrüchen entlang der Innerste der Katastrophenfall
ausgerufen.
Die Umgebung von Hockeln im Kreis Hildesheim gleicht einer riesigen
Seenlandschaft. Dort wo sich normalerweise Felder und Wiesen
aneinanderreihen – dazwischen das kleine Flüsschen Innerste – ist am
Sonntagabend nichts als Wasser zu sehen.
Die Dämme an der Innerste haben dem extremen Hochwasser nicht standgehalten,
brechen an mehreren Stellen. Die Behörden rufen den Katastrophenfall aus.
Der Einsatzstab bereitet eine mögliche Evakuierung einiger hundert Einwohner
vor, Notunterkünfte werden eingerichtet. Innenminister Uwe Schünemann (CDU),
der in das Krisengebiet geeilt ist, sagt: „Die Lage ist angespannt. Für die
Betroffenen ist das sehr schwierig“.
Tagelange Regenfälle haben die Innerste – ebenso wie andere Bäche und
Flüsse im Land – bedrohlich anschwellen lassen. Mit 6,75 Metern erreicht sie
am Sonntag den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Erschwerend
kommt hinzu, dass die Innerste-Talsperre im Harz überläuft. Landwirt Dieter
Engelke (73), der seit 1954 seinen Hof in Hockeln, einem Ortsteil von Bad
Salzdetfurth, hat, ist beunruhigt und auch wütend: „Man hätte den Damm
früher aufmachen sollen, um das Wasser kontrolliert ablaufen zu lassen“,
kritisiert er. Ortsvorsteher Peter Liegler hält dies für unrealistisch, denn
dann wären andere Ortschaften in Mitleidenschaft gezogen worden.
So viel Regen wie sonst in einem Monat
Auch in anderen Teilen Niedersachsens hieß es am Wochenende: „Land unter“.
Binnen weniger Tage fiel vor allem im Süden des Landes so viel Regen wie
sonst in einem Monat. Im Kreis Wolfenbüttel und im Harzvorland verwandelten
sich Äcker und Sportplätze in Teichlandschaften. Der Ort Baddeckenstedt,
ebenfalls an der Innerste gelegen, stand in der Nacht zum Sonntag kurz vor
der Evakuierung, bevor sich die Lage am Morgen entspannte. Zwei von drei
Zufahrtsstraßen waren wegen Überflutung unpassierbar. „Das ist ein
Hochwasser, das statistisch alle 60 bis 80 Jahre an der Innerste eintritt,
also schon sehr außergewöhnlich“, sagt Andreas Böhmert vom Niedersächsischen
Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Am Samstag waren hunderte Feuerwehrleute im Raum Göttingen sowie in den
Kreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Northeim pausenlos im Einsatz, um
vollgelaufene Keller leerzupumpen oder Kühe und Schafe von überfluteten
Weiden zu retten. Etliche Straßenzüge in Hann.Münden standen nach dem
Dauerregen unter Wasser. Die Autobahn 7 (Kassel- Hannover) wurde bei
Bockenem zeitweise gesperrt, der Verkehr umgeleitet. „Das Leinetal glich
einer Seenlandschaft“, berichtet ein Autofahrer. „Viel mehr hätte da nicht
kommen dürfen“, sagt ein Feuerwehrmann aus Göttingen. Am Sonntag gingen
jedoch die Pegel an Leine, Weser und Aller zurück.
Im Kreis Hildesheim, wo die Lage auch noch in
der Ortschaft Holle sowie im Bad Salzdetfurther Ortsteil Klein Düngen
besonders kritisch ist, sind am Sonntag rund 700 Helfer im Einsatz. Einige
sind schon seit 36 Stunden auf den Beinen, stapeln Sandsäcke, um die Deiche
zu stabilisieren oder pumpen Wasser ab. Geschäftsleute und Einwohner
versorgen sie mit Tee und Broten. Die Stimmung ist angespannt, aber
insgesamt ruhig. Alles läuft sehr routiniert ab. Minister Schünemann lobt
denn auch die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und den
anderen Helfern als „hervorragend“.
Sandra Juadjur steht vor ihrem neugebauten Haus in Hockeln und wartet auf
Nachrichten, ob sie die Nacht im eigenen Haus oder in einer Notunterkunft
verbringen muss. „Wir haben Angst“, sagt ihr Ehemann Carsten. Eine
Hochwasserversicherung hätten sie nicht. Sandra Juadjur wohnt Zeit ihres
Lebens in Hockeln. „So ein Hochwasser habe ich noch nicht erlebt“, sagt sie
und starrt auf die überfluteten Felder.