Höhenrettung im Kraftwerk Mehrum

 

Auf einem Gerüst in 44 Metern Höhe im Kessel des Kraftwerks Mehrum hat sich ein Arbeiter schwere Kopfverletzungen zugezogen. Ersthelfer versorgen den Verletzten, aber wie soll er nach unten transportiert werden? So lautete das Übungsszenario für die Feuerwehr am Freitag Vormittag.

„Mit so einer Situation ist eine Freiwillige Feuerwehr überfordert“, so Marcus Schäfer, Ortsbrandmeister in Mehrum. Also müssen Spezialisten ran.
Die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Braunschweig wird um 10:05 Uhr alarmiert und trifft nach 15 Minuten ein. (Da die Übung gut vorbereitet war, standen die Fahrzeuge schon in Hämelerwald). Unter Leitung von Brandoberrat Michael Hanne rücken ein Löschgruppenfahrzeug, ein Rüstwagen, ein Rettungsfahrzeug und ein Einsatzleitwagen der Berufsfeuerwehr, ferner ein Gerätekraftwagen des Technischen Hilfswerks sowie für die Betreuung des Verletzten die Notärztin mit dem organisatorischen Leiter Rettungsdienst aus Peine an.

Vor Ort dann eine kurze Lagesprechung. Einstiegsmöglichkeiten in den Kessel bestehen in 66 und 37 Metern Höhe. Gruppenführer Wolfgang Renz entscheidet schnell: Ein Trupp nach ganz oben mit den langen Seilen, ein Trupp steigt bei 37 Metern ein und geht über das Gerüst hoch.

Dort finden sie den Verletzten, den der Werkssanitäter Martin Landauer mit zwei Ersthelfern bereits vorbildlich versorgt hat. Nun gilt es, den Patienten auf einer Trage für den Transport sicher zu verschnüren. Von der oberen Luke rauschen die 2 x 100 m langen Seile herab. Auf ihrer Höhe klinken die Helfer die Trage mit dem Verletzten ein, einer von ihnen wird den zu Rettenden beim Abseilen begleiten. Das geschieht sehr umsichtig und kostet Zeit, aber es muss sein. Die Fehlertoleranz bei diesen Einsätzen liegt bei null Prozent. Dann geht es langsam Meter für Meter nach unten. Immer wieder muss sich der Retter mit seinem Patienten von den Gerüsten abstoßen. „Eine glatte Wand ist uns da sogar lieber“ so Renz später in der Lagebesprechung.

 

Gut 20 Minuten dauert es, bis der Verletzte am Fuß des Kessels angekommen ist und vom Rettungsdienst übernommen wird. Aufatmen bei allen Beteiligten, dass alles so gut geklappt hat. Aus Sicherheitsgründen war in der Trage allerding keine lebende Person, sondern ein Dummy, der aber auch stolze 85 kg wog.

 

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Möglich war diese Übung, da sich das Kraftwerk zurzeit in Revision befindet und der Kessel innen mit einem Gerüst ausgekleidet ist. Aber auch im realen Betrieb kann so ein Einsatz erforderlich werden. „Bei Störungen im Kessel arbeiten wir mit einem Förderkorb, aus dem durchaus mal jemand gerettet werden muss“, so Paul Otte, der im Werk für das Notfallmanagement zuständig ist.

 

Die BF Brauschweig verfügt über 15 Höhenretter. Die gesamte Ausrüstung ist auf dem RW 2 verlastet. Im Einsatzfall können so Helfer, die sich nicht im Dienst befinden, per FME alarmiert werden und direkt zur Einsatzstelle fahren.
Mit den Höhenrettern rücken immer das THW, ein Notarzt und ein RTW aus.

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